Rudern @ Dresdenia Berlin
Dresdenia-Echo • Kurzmeldungen • Termine • Wanderfahrten • Wettkämpfe • Kilometerliste • Wanderruder-Wettbewerbe • Vermischtes
Vermischtes
Nun ist meine Zeit in Berlin schon längst vorbei und ich will noch schnell erzählen wie das war, das erste Mal im Skiff, denn das gehört zu einer gründlichen Ausbildung dazu. Nun kann man dem Hadi, unserem Ausbilder, falls man ihn schlappe 20 Jahre kennt, sicher einiges nachsagen, sicher nicht, dass er nicht gründlich wäre.
Es war ein wunderbar warmer und sonniger Dienstag Vormittag im August. Wir trafen uns zu mehreren, Frank, Karin, ich, mittenmang Hadi. Kein Lüftchen regte sich und das war auch gut so, so waren wir die einzigen auf der Scharfen Lanke. Die Einer wurden herausgeholt und ich darf noch erwähnen, dass sie nicht überall so elegant und sportlich sind, wie hier bei der Dresdenia. Allerdings haben die den Nachteil, dass sie verdammt kippelig sind. Jeder bekam sein Boot verpasst, durfte sich hinein setzen und ich kann Euch versichern: Nie seit der Geburt meiner Kinder - ich hatte einen Dammschnitt - habe ich mich so vorsichtig gesetzt wie ins Skiff, obwohl mir die anderen Hilfestellung gaben und das Boot mit aller Kraft an den Auslegern festhielten, bis ich die Dollen geschlossen und den Rollsitz richtig eingestellt hatte. Nun bin ich ja nicht gerade ängstlich veranlagt und habe frisch begonnen, los zu rudern. Erst vorwärts. Sofort wurde mir klar, dass es vielleicht ratsamer sei, die Ruder bei der Gegenbewegung doch vorsichtig auf dem Wasser schleifen zu lassen. Ist doch irgendwie stabiler. Wie Recht Hadi doch hatte, wenn er darauf bestanden hatte, dass wir unsere Gliedmaßen symmetrisch bewegten und die Knie geschlossen hielten. Die geringfügigste Abweichung brachte mich sofort ins Schleudern, beziehungsweise ins Kippeln.
Andererseits wusste ich noch genau wie das war, als damals meine Kinder Radfahren erlernten. Es hätte keinen Sinn, quasi stehen zu bleiben, dann wird man nie das Gleichgewicht halten. Noch heute habe ich Probleme, wenn das Fahrrad zu langsam ist. Wenn ich schnell genug bin, komme ich hingegen sogar freihändig um die Kurven. Nachdem ich also ein bisschen probiert hatte und mich halbwegs unter Kontrolle hatte, versuchte ich es etwas mutiger, mit etwas mehr Schwung. Meine Rechnung ging auf, es war gar nicht so schlimm, es war vielmehr herrlich, denn so ein Skiff, das ist nicht nur elegant anzusehen, sondern auch schnell und es ist eine wahre Wonne, welche Fahrt man nur aus seinen eigenen Körperkräften mit Hilfe der Physik entwickeln kann.
Die Strafe folgte in Form von Kurven, die ich so weder beabsichtigt noch berechnet hatte oder meint jemand, ich wäre freiwillig in Richtung Arkona gerudert? Schnell eine Wende - rechts oder links zuerst? - nur keine Hektik, uff, das ging noch mal gut. Auch dieses wunderschöne elegante Segelboot, das immer in der Mitte der Scharfen Lanke ankert, hatte magische Anziehungskräfte. Egal wie ich es anstellte, irgendwie kam ich ihm immer sehr nahe. Ich will auch nicht unerwähnt lassen, dass ich doch irgendwann im Wasser landete. Im Nu war Hadi zur Stelle und gab mir die notwendigen Anweisungen. So einfach ist das ja nicht, dieses Boot stabil zu halten und gleichzeitig meinen Body hinein zu hieven. So mit Schwung holen, wie wenn man auf einen normalen Steg hinauf will, geht das ja nicht, denn dann würde das Boot sofort wieder kippen. Also musste ich mich Millimeter für Millimeter hoch ziehen und konnte dabei nicht einmal auf empfindliche hervorragende Körperteile Rücksicht nehmen. Aber das war in dem Augenblick gar nicht schlimm, ein gehöriger Adrenalinstoß dämpfte jeden Schmerz, nichts hat weh getan, Hauptsache wieder rein. Stolz wie Oskar nahm ich also wieder Fahrt auf, bekam wieder den Dreh Richtung Arkona, wieder das Segelboot, wieder habe ich das Gleichgewicht verloren, wieder drin, wieder raus. Und das ganze noch einmal. Also drei Mal, das reichte, ich ging dann an Land, es war doch ziemlich anstrengend. Aber schön. Und in der Lanke wollte ich immer schon mal gebadet haben. Hadi tröstete mich und sagte, er sei total stolz auf mich, weil ich das Boot immer wieder erklommen habe. Na ja, anders wär's mir lieber gewesen. Aber zumindest weiß ich jetzt, dass das keine unlösbare Aufgabe ist.
Und so war das wunderschöne Ende meiner Ruderausbildung bei der Dresdenia in Berlin, die jetzt abgeschlossen ist, wenn auch nicht vollendet. Denn richtig Rudern im Skiff, das kann ich längst noch nicht und ich weiß nicht, ob sich noch jemals in meinem Leben jemand die Mühe machen wird, mir das beizubringen. Ein blitzeblauer Bauch hat mich noch eine ganze Weile an diesen schönen Tag erinnert.
Susanne Böhling
Rudern @ Dresdenia Berlin
Dresdenia-Echo • Kurzmeldungen • Termine • Wanderfahrten • Wettkämpfe • Kilometerliste • Wanderruder-Wettbewerbe • Vermischtes
Vermischtes