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Außerordentliche Sitzung der Sportvereinigung Dresdenia

 

Nachdem ich am 27.01.03 spontan in die Ruderabteilung Dresdenia als passives Mitglied eingetreten bin, fand am 30.01. die außerordentliche Sitzung des Gesamtsportverbandes statt, in der über den Verkauf des Grundstückes abgestimmt werden sollte. Was sich auf dieser über 4 Stunden dauernden Sitzung abspielte, war so unglaublich, dass ich noch Tage später völlig aufgewühlt war über die Inkompetenz, Unhöflichkeit und Intoleranz des Vorstandes des Gesamtsportverbandes. Ich habe dabei immer nur gedacht, das kann doch bei einem so großen Verein alles nicht wahr sein und ich sage Euch, seid einfach nur froh darüber, dass unser Vorstand satzungsfest ist, alle Eure Anträge immer ausgiebig ausdiskutiert werden und bei uns wohl noch niemandem mitten im Wort der Ton abgedreht wurde...
Doch ich will von vorne anfangen. Los ging es um 19 Uhr, wobei letztlich wohl über 400 Mitglieder erschienen sind. Zunächst gab der 1. Vorsitzende, Herr Kussin bekannt, dass ein Antrag der Schwimmabteilung auf Vertagung des Themas Grundstücksverkauf vorläge, der aber nicht beschlußfähig sei. Damit war für ihn das Thema abgehakt, und er wolltezum nächsten Punkt übergehen. Pech für ihn war, dass sich einer der Antragsteller darüber beschwerte, wie denn der Vorstand neuerdings mit solchen Anträgen umginge und sich bei näherer Überprüfung herausstellte, dass der erste Teil des Antrages sehr wohl beschlußfähig war. Also wurde zunächst darüber abgestimmt, ob die Abstimmung über den Hauskauf vertagt werden sollte. Auf Antrag sollte die Abstimmung geheim erfolgen, wobei es wieder zu Tumulten kam, da es nur Abstimmungsvordrucke mit "Grundstückskauf - ja - nein - einthalten" gab und die Ruderabteilung, inzwischen mißtrauisch geworden, ein hinterlistiges Spiel befürchtete. Leider hatte der Antrag keinen Erfolg, und so bequemte sich der Vorstand nunmehr, einige Informationen zum Grundstücksverkauf zu geben, wobei diese sämtlichst einseitiger Natur waren und es eigentlich immer nur ums Geld ging. Der Vorsitzende war sich dabei nicht zu schade, Tatsachen, die später von den entsprechenden Abteilungsleitern zum Teil richtig gestellt wurden, zu verdrehen und den Mitgliedern ein wahres Horrorszenario sowohl über die angeblich viel zu hohen Kosten des Clubhauses, dessen angeblich maroden Zustand und über die scheinbar so schlechte Finanzsituation des Gesamtvereins zu vermitteln. Auch betonte er immer wieder, dass die Ruderabteilung nicht aufgelöst werden würde - obwohl Arkona ausdrücklich zu verstehen gegeben hat, dass Dresdenia nur in Arkona aufgehen könnte ("3 Monate beitragsfrei, denn man sei doch schließlich fusionserfahren" - unter Fusion verstehe ich allerdings nicht den heimlichen Aufkauf eines benachbarten Freundesvereins). Dabei bewies Herr Kussin wahre Unfähigkeit, indem er nur Fragen beantwortete, die ihm zusagten, Rednern das Mikrofon abschaltete, wenn es ihm zu viel wurde, und wohl von einer geordneten Diskussionsführung noch nie etwas gehört hatte.
Dennoch ließ sich bald an der Stimmung erkennen, dass es den anderen Abteilungen nur ums Geld ging, zumal ihnen ja der Vorstand als Lockmittel auch schon die 30.000 EUR Zinsen pro Jahr aus dem Verkaufserlös zugesagt hatte. Insgeheim schien schon jede Abteilung in Gedanken die Zuwendungen bestmöglich auszugeben.
Leider konnte auch eine längere Rede vom Vorsitzenden der Ruderabteilung Hans-Dieter Würger und auch etliche kürzere Reden (die Redezeit wurde später auf 3 Minuten beschränkt) die Stimmung nicht ändern. Dabei halfen weder die Ankündigung rechtlicher Schritte gegen die Abstimmung, noch Apelle an die Kameradschaft oder Berichte über den eigenhändigen Hausbau und die soziale Arbeit der Ruderer geschweige denn sachlich-finanzielle Argumente.
So kam es dann wie befürchtet in der Abstimmung über den Verkauf des Grundstücks dazu, dass ca. 250 dafür, 163 dagegen und 6 enthalten stimmten. Ein trauriges Ergebnis, das einmal mehr zeigt, dass das Motto der jetzigen Zeit bei den meisten leider doch lautet "Jeder ist sich selbst am nächsten". Was kümmert es die Fußballer oder Badmintonspieler, die vielleicht noch nie auf dem Grundstück der Ruderabteilung waren, dort niemanden kennen, dass es die Dresdenia-Ruderer bald nicht mehr geben wird. Hauptsache sie müssen nicht mehr Beiträge zahlen und Hauptsache, es gibt bald wieder Zuwendungen! Eine feine Gesellschaft, in der wir da leben!
Auch sehr beschämend fand ich es, dass der 1. Vorsitzende Herr Kussin auf ausdrückliche Nachfrage, wie es denn nun weitergehen würde, erklärte, dass es noch keinen Termin zum Verkauf gäbe und der Vorstand ja auch nach wie vor bereit wäre, mit der Ruderabteilung Gespräche zu führen. Er spiegelte damit eindeutig vor, dass es keine Eile beim Verkauf geben würde und so bald kein Vertrag abgeschlossen werden würde. Um so mehr erstaunte es da doch, als die Ruderabteilung erfuhr, dass der Kaufvertrag bereits am 14.02.03 beim Notar unterschrieben werden sollte. Die beim LG Berlin beantragte einstweilige Verfügung gegen den Verkauf war zuvor bereits abgelehnt worden, und mittlerweile hatte das Kammergericht über die Beschwerde der Ruderabteilung zu entscheiden. Es setzte hierfür einen Termin zur Anhörung der Parteien auf den 24.02.03 fest. Als der Rechtsanwalt der Ruderabteilung das Kammergericht auf den Kaufvertragstermin hinwies, erließ das KG eine einstweilige Verfügung, die es dem Gesamtsportverband untersagte, den Verkauf durchzuführen. Die einstweilige Verfügung wurde am 14.02.03 um 12 Uhr erlassen und konnte trotz des Einsatzes von 2 Gerichtsvollziehern keinem der Vorstandsmitglieder zum Zwecke der Bekanntmachung zugestellt werden, da sich zumindest Herr Kussin verleugnen ließ.
Leider jedoch hat die einstweilige Verfügung des KG den Verkauf zunächst erst einmal nicht mehr stoppen können, weil der Gesamtvorstand und die RU Arkona den Kaufvertrag bereits am 13.02.03, also genau 2 Wochen nach der außerordentlichen Sitzung unterschrieben haben, und das, obwohl sie wußten, dass ein Eilverfahren beim Kammergericht anhängig war und das, obwohl Herr Kussin alle Zeit der Welt vorgespiegelt hatte.
Beide an diesem Possenspiel beteiligten Vorstände sollten sich schämen und wissen, dass ihr Verhalten weder ein Ende, geschweige denn ein gütliches herbeiführen wird, denn die Ruderabteilung wird nun mit einer Hauptsacheklage klären lassen, ob der Kaufvertrag überhaupt wirksam ist - und das zur Not durch alle Instanzen!

 

Ich ziehe aus dem unsportlichen, expansionswütigen und rücksichtslosen Verhalten von Arkona meine Konsequenzen und rufe Euch alle ausdrücklich dazu auf, die Sternfahrt Himmelfahrt zu Arkona auf jeden Fall zu meiden bzw. direkt dagegen zu protestieren. Mir ist der Appetit auf Bratwurst und Bier bei Arkona jedenfalls für sehr lange Zeit vergangen.

 

aus: "Der Tegelorter" II/03 (Mitteilungsblatt des Ruder-Club Tegelort e.V.)


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