Rudern @ Dresdenia Berlin
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Eigentlich wollte die (sehr) aktive "Ruderjugend" bestehend aus Christian S., Franzi, Dennis, Anja und Andi und die eigentliche "Jugend", nämlich Zeno und meine Wenigkeit über Himmelfahrt nach Werder fahren. Doch die Gemeinschaftsfahrt von der Ex-Post, organisiert von Gerrit, die eigentlich von Havelberg nach Schwerin gehen sollte, klang am Aushang etwas interessanter.
Wir trafen uns also am Mittwochabend um 20 Uhr am Bootshaus des Pro Sport Berlin (ehemals Post SV). Etwas überraschend war doch, dass außer uns sieben Dresdenen nur noch Svenja vom BRC Phönix und der Fahrtenleiter Gerrit von der Post mitkamen. Die Boote, die "Jugend" der Post und die "Spree" von Dresdenia, waren schon am Wochenende vorher nach Havelberg gebracht worden. Um das Versprechen gegenüber den Havelbergern, um 22 Uhr da zu sein, noch einzuhalten, setzten wir uns in den Vereinsbulli (der aber ein Peugeot ist) der Post und fuhren los gen Havelberg. Die Busfahrt verlief ziemlich ohne Zwischenfälle, außer dass wir durch Ohnewitz gefahren sind.
Als wir in Havelberg ankamen, war keiner der Havelberger Kameraden im Bootshaus, aber im Kanuclub wurden wir erwartet. Leider Sprang der Bulli nicht noch einmal an und wir mussten anschieben...
Aufgrund von Telefoninterferenzen kam dann aber auch der Zuständige vom Ruderverein und wir beschlossen, doch lieber in den Bungalows des Rudervereins zu nächtigen und uns damit die Missgunst bei den Havelberger Paddlern einzuholen. Der leicht verärgerte Paddler verabschiedete uns noch und dann schoben wir den Bulli zurück auf das Gelände des Rudervereins.
Dort wurde uns bereitwillig alles zur Verfügung gestellt, was wir brauchten und wir bekamen sogar ein Aufladegerät für die Autobatterie.
Nach einer "Am-Auto-Rumschraub-Aktion" saßen wir noch gemütlich zusammen und entschwärmten irgendwann in unsere Betten.
Cristian Wandrei
Als am Morgen des 05.05.05 die Sonne in die Schlafquartiere des RV Havelberg schien und mit ihren warmen Strahlen die Teilnehmer der Havelberg-Schwerin-Ruderexpedition weckte, hatte wohl keiner der neun Sportler geahnt, welche Herausforderungen der Tag noch für sie verbarg.
Um 10 Uhr versammelte sich die Mannschaft zum Frühstück und stärkte sich für die vorgesehene Ruderetappe. Nach einem kurzen Briefing des Fahrtenleiters Gerrit von der Post kamen wir auch schon zur Mannschaftseinteilung.
Der Fahrtenleiter kümmerte sich um das etwas defekte Fahrzeug, die anderen ruderten.
Zu besetzen war ein sehr hochseetauglicher Zweier, folgend nur noch "2-Zylinder" genannt, sowie ein sportlicher und schneller C-4er, der sehr treffend den Namen "Jugend" trug.
Um 11:30 Uhr standen beide Mannschaften ruderfertig und zum Einsteigen bereit auf dem Steg und sahen ihrem Schicksal mit einem Lächeln entgegen. Es schien schließlich die Sonne und Wind war kaum spürbar. Das sollte sich aber bald ändern.
Schon nach kurzer Zeit wurden wir an den Zweck des Feiertages "Himmelfahrt" erinnert. Es war Vatertag und es ist beeindruckend, wie es "Väter" schon schaffen um 12 Uhr effektiv betrunken auf einem Fahrrad koordiniert in Kurven zu fahren. Respekt.
Als uns hinter der Schleuse Havelberg ein Zweier mit kaputtem Ausleger entgegenruderte, also einer ruderte jedenfalls, kamen einigen der Mannschaft des Vierers schon erste Bedenken über die Elbtauglichkeit des jugendlich geriggerten C-Vierers.
Diese Bedenken sollten sich auch schon sehr bald als berechtigt erweisen. Kaum auf der Elbe angekommen wurden wir auch schon von ersten Wellen begrüßt, die sich in den Auslegern fingen oder gleich über die Spitze ins Boot gelangten. Da dieser Zustand allerdings von Kurve zu Kurve variierte, beschloss Obmann und Steuermann Dennis mit Absprache der Mannschaft, die Ihren Obmann an diesem Tag nicht beneidete, erst mal weiter zu machen. Der Abbruch beider Ruderboote kam bei Elbe-Kilometer 432. Die mittlerweile schon völlig durchnässte Mannschaft des Vierers beschloss einstimmig, nicht nach Wittenberge zu schwimmen und so strandeten wir sanft. Die Mannschaft des Zweiers begleitete uns kameradschaftlicherweise.
Nach unserer Anlandung gingen wir schon mal auf Tuchfühlung mit unseren neuen Nachbarn, die ihr völlig allein stehendes Haus zum Dorf "Früherswerder" erklärten.
Nach vergeblichen Versuchen, den Fahrtenleiter über die Situation zu informieren, fing die Mannschaft an, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.
Dank Allgemeinwissen und einer grundierten Fernsehausbildung für solch eine Situation war allen klar, was getan werden musste. Schnell waren Steine für ein "SOS", eine Flasche für eine Flaschenpost sowie eine Feuerstelle für den äußersten Notfall ausgemacht.
Nach Fertigstellung des "SOS"-Zeichens und Verfassen der Flaschenpost hieß es warten.
Und das bot sich besonders im Windschatten an, da man so sogar das Wetter als "warm" und "entspannend" bezeichnen konnte. Zwischendurch erfolgte der zehnte Versuch, den Fahrtenleiter telefonisch zu erreichen.
Die Mannschaft wurde unruhig und einige erkundeten die Umgebung: Ein Deich, ein Haus, viel Wiese, keine Kuh und weiße Schaumkronen auf der Elbe. Etwas frustriert gelangten wir wieder zu unserem Lager.
Franzi wartete schon mit einer sehr erfreulichen Nachricht auf die Entdecker: Gerrit war dem Funkloch entkommen und suche seine Mannschaft. Einige der schon "rumgekommenen" machten sich auf den Weg Richtung Gerrit und Strasse, denn wie schon erwähnt gab es nur Wiesen, einen Deich und viel von nichts. Pünktchen, Zeno und ich blieben bei den Booten und warteten. Wir experimentierten mit Steuerschlafsäcken und Skulls und beschlossen, die nächste Fahrt ohne Zelte zu bestreiten, lieber ein Buch zu schreiben, nie wieder in C-Vierern über die Elbe zu rudern, keine Handys mehr ins "Wasser" fallen zu lassen, mehr Klebeband mitzunehmen, eine Plane einzustecken, um ein Zelt basteln zu können und letztendlich fanden wir heraus, dass man SOS auch rückwärts lesen kann... es war eine lange Zeit, in der nichts passierte – eine Stunde, vielleicht eineinhalb. Doch da eine Halluzination? Nein, ein blauer Bus bahnte sich den Weg über den Deich Richtung Notlager.
Danach ging alles recht schnell. Die Mannschaft war wieder komplett. Die Boote wurden aus dem Wasser getragen. Die Skull-Konstruktion fand Begeisterung unter den Mitgliedern und wurde gleich vor Ort patentiert.
Nun ging es Richtung Wittenberge – aber halt – Was bedeutete eigentlich die rote Lampe mit der Batterie auf der Armatur des Busses, die schon die ganze Zeit leuchtete? Um es kurz zu fassen: sie bedeutete Schieben! Nach einem erfolgreichen Anschieben ging es sehr langsam aus der Einöde Richtung Zivilisation – naja, sagen wir, es ging zumindest nach Wittenberge.
Um 05.05 Uhr nachmittags (noch immer am 05.05.05) beschlossen Dennis und ich noch rasch, ein Dorf zu gründen – was sich mangels Glaubwürdigkeit später noch als schwerer als erwartet herausstellen sollte.
Nach der Einquartierung im WSV Wittenberge ging der Tag auch schon mit recht großen Schritten dem Ende zu. Sehr müde von dem vielen Ideenreichtum und den Grenzerscheinungen dieses Himmelfahrts-Donnerstags beendeten wir den Tag vor dem Fernseher.
Andreas Scholz
Nachdem die Sonne uns aus den Schlafsäcken gekitzelt hatte, gab es ein reichhaltiges Frühstück, doch die Stimmung war finster. Schon die ersten Blicke nach draußen hatten gezeigt, dass es im Vergleich zum Vortag weder sonniger noch windärmer geworden war. Trotzdem sollte der Versuch gestartet werden, die Boote wenigstens bis nach Wittenberge zu rudern.
In Früherswerder angekommen wurde nicht lange gefackelt, Bootseinteilung, Boote ins Wasser, Skulls dazu, Sch...ade! Es entstand ein Versicherungsschaden an der "Jugend" (das Boot ist gemeint) in Höhe von knapp 180 Euro, der sich allerdings mit Klebeband vorläufig beheben ließ – mir wird seitdem nachgesagt, keine Paddelhaken mehr anzufassen, und das zumindest für ungefähr ein Quartal auch zu Recht. Während der Zweier mit Anja und den Christians schon in der Ferne verschwand und Gerrit mit dem Vereinsbus gen Werkstatt tuckerte, machten wir die ersten Ruderschläge des heutigen Tages; schon jetzt war eigentlich klar, dass das Tagesziel nicht erreicht werden würde, aber vielleicht würde sich ja eine Stelle zum Stranden finden, die nicht mindestens einen Tagesmarsch von der nächsten Gaststätte entfernt war wie die des Vortages.
Sieben Kilometer später machten wir am Gnevsdorfer Wehr eine kleine Pause, um den Klebebandflicken zu überprüfen und um ein bischen Wasser, das die Wellen uns über die Bordwand gewuppt hatten, wieder der Elbe zuzuführen. Die rund drei Kilometer lange Gerade der Elbe direkt nach dem Gnevsdorfer Vorfluter war aufgrund des brutalen Gegenwinds nicht zu schaffen – die Wasserstände innerhalb und außerhalb des Bootes waren dabei, sich in Rekordgeschwindigkeit einander anzugleichen, so dass wir im Vierer uns erstmal zwischen zwei Buhnen versteckten und "schöpferisch" tätig wurden. Hier fiel dann auch die erste sinnvolle Entscheidung des Tages: zurück zum Wehr und am dortigen Steg das Boot aus dem Wasser holen. Gesagt, getan, erneut stand uns das Wasser bis an die Knöchel.
Nach immerhin endlicher Zeit hatten wir es dann geschafft, Gerrit samt Bus und Bootshänger herzulotsen. Das Boot wurde abgeriggert und aufgeladen, woraufhin ein heftiger Sturm sich offenbar genötigt fühlte, doch auch mal vorbeizuschaue(r)n. In Wittenberge trafen wir unseren Zweier samt Mannschaft wieder. Ersterer wurde abgeriggert, letztere geduscht und dann fuhren wir zurück nach Berlin, da auch der Wetterbericht keine Besserung verhieß. Der benötigte Anschwung dafür wurde wie mittlerweile üblich aus Muskelkraft erzeugt.
Am folgenden Tag widmeten wir uns dann ausschließlich der Restproviantverwertung und dem Beobachten der Handicap-Nationalmannschaft, die sich zum Trainingslager in unserem Bootshaus einquartiert hatte.
Was jetzt noch fehlt, ist DER Kalauer dieser "Wanderfahrt": Warum baut Peugeot Autos mit beheizbarer Heckscheibe? - Damit die Hände beim Anschieben nicht frieren!
Dennis Klopke
Rudern @ Dresdenia Berlin
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